Im Rahmen der internationalen Glücksspielkonferenz ICE, die Ende Januar im spanischen Barcelona stattfand, organisierte der Deutsche Online Casino Verband (DOCV) ein hoch interessantes Event. Mit Spannung wurde der Auftritt des Präsidenten des Verbandes, Dirk Quermann, erwartet. Wer ihm zuhörte, wurde nicht enttäuscht, den Quermann rechnete mehr oder weniger schonungslos mit dem Glücksspielstaatsvertrag sowie dem Versagen der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) ab.
Quermann: Schwarzmarktanteil deutlich höher, und zwar in sämtlichen Bereichen
Interessant ist, dass es zu den Worten Quermanns kaum Interesse von deutschen Medien gab. Laut Berichten des internationalen Fachmagazins iGaming Business zeigte sich der Präsident des DOCV allerdings bestürzt über die durch den Glücksspielstaatsvertrag eingetretene Entwicklung auf dem deutschen Online Glücksspielmarkt. Besonders wären die Online Spielautomaten von der Entwicklung betroffen, denn in diesem Bereich schätze er den Marktanteil der legalen Anbieter auf lediglich 20-40 %!
Damit könnte der Schwarzmarkt laut Quermann einen Marktanteil von bis zu 80 % besitzen! Eine Studie der Universität Leipzig kam hingegen zu dem Ergebnis, dass der Schwarzmarkt 50 % der in Deutschland erzielten Umsätze ausmache. Laut dem Branchenverband DOCV müsse daher dringend über eine Reform der im Glücksspielstaatsvertrag festgehaltenen Gesetze gesprochen werden. So müsse der Steuersatz auf die Bruttospielerträge und nicht auf die Einsätze erhoben werden. Auch die Mindestspieldauer sowie der Höchsteinsatz pro Drehung seien Gründe dafür, warum Spieler in den Schwarzmarkt ausweichen würden.
DOCV erhält Rückendeckung durch den Deutschen Sportwettenverband
Der Präsident des Deutschen Sportwettenverbandes, Mathias Dams, pflichtete seinem Verbandskollegen bei. Zwar sei seine Branche nicht in gleichem Ausmaß von der Konkurrenz des Schwarzmarktes betroffen, Grund zur Besorgnis gäbe es allerdings allemal. Bei den Sportwetten liege der Anteil der Schwarzmarktanbieter bei rund 30 %. Er sehe es jedoch prinzipiell genauso wie sein Kollege, denn unstrittig sei, dass Deutschland „ein zunehmendes Schwarzmarktproblem“ habe.
Generell seien die Schätzungen der GGL bezogen auf die Größe des Schwarzmarktes deutlich zu niedrig. Im Jahresbericht 2023 gab die GGL den Schwarzmarktanteil mit nur 4 % an. Quermann wirft der Behörde dabei Schönrechnerei vor. Man habe nämlich auch die landbasierten Einnahmen erfasst, um dadurch den Wert möglichst niedrig zu halten. Bestätigt sieht er sich in dem Umstand, dass die Steuereinnahmen aus dem Glücksspielsektor im Vergleich zu 2023 im vergangenen Jahr geradezu weggeschmolzen seien. Ein Rückgang allein im Bereich der Spielautomaten um 38,5 % sei schließlich ein deutlicher Indikator darauf, dass der Schwarzmarktanteil sich wesentlich vergrößert habe.