Die Pokerwelt ist in Bewegung – und das nicht nur an den Tischen. Das renommierte Wynn Las Vegas hat kürzlich verschärfte Sicherheitsmaßnahmen eingeführt, um der wachsenden Bedrohung durch technische Manipulationen entgegenzuwirken. Der Hintergrund: Immer raffiniertere Betrugsversuche durch Mini-Kameras, Echtzeit-Analyse-Software (Solver) und Coaching von außen bedrohen die Integrität des Spiels – insbesondere bei hochdotierten Turnieren.
Im Zentrum der neuen Regeln steht ein rigides Technikverbot, das spätestens ab den letzten drei Tischen eines Turniers greift. Ab diesem Zeitpunkt dürfen Spieler keine elektronischen Geräte wie Handys, Kopfhörer, Smartwatches oder sogar elektronische Brillen mehr nutzen. Auch Zuschauer oder vermeintliche Coaches dürfen den Spielern keine Hilfe über externe Kommunikationsmittel leisten. Selbst der Zugriff auf Solvers außerhalb des Turniersaals ist strikt untersagt.
Ryan Beauregard, Leiter der Pokerabteilung im Wynn, erklärte gegenüber US-Medien: „Die Integrität unserer Spiele steht an oberster Stelle. Diese Maßnahmen sollen nicht nur für Fairness sorgen, sondern auch Vertrauen schaffen – bei Profis wie Freizeitspielern.“ Man wolle ein sicheres Umfeld schaffen, das dem technologischen Fortschritt im Betrugsbereich nicht schutzlos ausgeliefert ist.
Blick nach Deutschland: Betrugsfälle mit Parallelen
Auch in Deutschland gab es in der Vergangenheit spektakuläre Betrugsfälle, bei denen ähnlich wie im Wynn nun unterbunden werden soll. Der wohl bekannteste Fall betrifft den deutsch-türkischen Pokerspieler Ali Tekintamgaç. 2010 sorgte er international für Aufsehen, als er das Main Event der World Poker Tour in Barcelona gewann. Schon damals wurden Gerüchte laut, dass während des Turniers nicht alles mit rechten Dingen zuging.
Später wurde aufgedeckt, dass Tekintamgaç bei mehreren Turnieren Komplizen einsetzte, die sich als Fotografen oder Journalisten tarnten. Diese filmten aus günstigen Positionen die Karten der Gegner und übermittelten ihm während des Spiels die entscheidenden Informationen – ein glasklarer Fall von organisierter Manipulation. 2014 wurde Tekintamgaç deshalb in Deutschland zu drei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt.
Ein weiterer aufsehenerregender Fall betrifft den ehemaligen Fußballnationalspieler Max Kruse. Bei einer privaten High-Stakes-Runde in Hamburg wurde er Opfer eines Betrugs, bei dem manipulierte Spielkarten und Infrarotkameras zum Einsatz kamen. Die Täter konnten so unbemerkt die Karten ihrer Gegner erkennen und ihre Spielweise entsprechend anpassen. Der Schaden lag bei über einer halben Million Euro. Auch hier folgten später Festnahmen und Anklagen.
Ein Modell für europäische Turniere?
Angesichts solcher Fälle wird deutlich: Die technischen Möglichkeiten zur Manipulation schreiten rasant voran – und machen auch vor Deutschland nicht Halt. Die Maßnahmen des Wynn Las Vegas könnten somit auch ein Vorbild für Veranstalter in Europa sein. Gerade bei großen Live-Events wie der EPT oder der WSOP Europe wäre eine einheitliche Regelung zum Technikverbot in kritischen Turnierphasen ein wichtiger Schritt.
Denn eines ist klar: Nur mit konsequenten, präventiven Maßnahmen lassen sich Betrugsversuche wirksam unterbinden. Das Wynn setzt ein klares Signal – jetzt liegt es an der internationalen Pokergemeinschaft, ebenfalls nachzuziehen.